MATERIA vs. ES


Kommentarnummer: 1098

Heftnummer: 1974

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

MATERIA    ES

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

1974

Weitere Teile:

            



Daß Superintelligenzen weder »allmächtig« noch »unverwundbar« sind, wurde den Terranern bei ihren Kontakten mit ES relativ schnell klargemacht: Schon im Jahr 2042 mußten sie dem Unsterblichen von Wanderer zur Seite stehen, weil ES mit seiner Kunstwelt in den Einflußbereich einer Überlappung zum »Roten Universum« der Druuf geriet und dabei in den Halbraum eingebettet wurde, was die Hilfe von außen erforderlich machte. Im Verlauf dieses Geschehens büßte das Fiktivwesen laut eigener Aussage einen Großteil seiner »psychischen Masse« ein; Eiris nannte ES seinerzeit das Verlorene, »raumzeitliche Stabilisierungsenergie«. Es sollte nicht die einzige Hilfeleistung bleiben: Zuletzt bedurfte es 1174 NGZ der Vitalenergien der Zellaktivatoren, um den Verwirrungszustand von ES infolge der Manipulationen Taurecs mit DORIFERS Psionischen Informationsquanten zu beseitigen. Nicht mal 120 Jahre sind seither vergangen, für ein Geschöpf wie ES möglicherweise kaum mehr als ein Wimpernschlag - sofern eine solche Aussage bei einem »überzeitlichen« Wesen wie ES, in dem die Vereinigung von Millionen entstofflichter Intelligenzen zum akkumulierten Kollektivbewußtsein einer uralten Zivilisation führte, überhaupt gemacht werden kann …
 
Einzelheiten sind unbekannt, aber es zeichnet sich ab, daß ES mit Thoregon in Verbindung steht, vielleicht sogar zum geheimnisvollen »Rat von Thoregon« gehört. Da dessen Aktivitäten seit mindestens rund 100.000 Jahren laufen und die Terraner offensichtlich seit langem als sechstes Thoregon-Volk vorgesehen waren, ist es angebracht, ein zeitliches Raster zu entwerfen: Rückwirkend gesehen, muß sich eine solche Entwicklung mindestens schon abgezeichnet haben, als es die Terraner mit dem Schwarm zu tun hatten und es kurz darauf zum »Kosmischen Schachspiel« zwischen ES und Anti-ES kam. Zu jener Zeit lief andererseits aber auch schon die Auseinandersetzung von ES mit Seth-Apophis (eine erste »indirekte« Konfrontation zwischen beiden läßt sich immerhin bis zum Invasionsversuch der Horden von Garbesch vor rund 1,2 Millionen Jahren zurückverfolgen!), und durch die raumzeitliche Kausalschleife, in die unter anderem die Nakken eingebunden waren, wurde parallel dazu ein mehr als 50.000 Jahre umspannender Bezug zu ESTARTU und die ES-Verwirrung geschaffen. Daß Dinge wie Sporenschiffe, Ritter der Tiefe, Frostrubin alias TRIICLE-9, Endlose Armada, Aktivierung der Chronofossilien, ja sogar eine manipulierte Materiequelle sowie die Aufhebung dieser Manipulation in den Komplex hineinspielen, macht die Angelegenheit kaum leichter zu durchschauen. Nicht zuletzt müssen ES' Aktivitäten im Rahmen der »Revitalisierung« des Arresums, der »anderen Möbius-Seite« des Standarduniversums, ebenfalls berücksichtigt werden - immerhin erwies sich dieses als »Großer Plan«, bei dem die aus Aphilikern hervorgegangenen, in Konzepte umgewandelten und von ES zeitweise integrierten Bewußtseine von 20 Milliarden Menschen ihrer endgültigen Bestimmung zugeführt wurden.
 
All das vor dem Hintergrund, daß ES, als mutmaßliches Thoregon-Ratsmitglied (oder zumindest über die Aktivitäten informierte>Superintelligenz), bereits über Dinge informiert war beziehungsweise sogar steuerte, als Perry Rhodan und seinen Terranern nicht mal das »Zwiebelschalenmodell« bekannt war ! Der Rückzug von ES unter den Ereignishorizont des Dengejaa Uveso mag auf den ersten Blick sonderbar anmuten, doch eingedenk der nur »kurze Zeit« zurückliegenden Ereignisse sowie der von MATERIA eingesetzten Möglichkeiten wird das Verhalten eher nachvollziehbar. Was beim Ringen zwischen MATERIA und Wanderer mit ES im einzelnen vor sich geht, bleibt den Beobachtern verschlossen; mit Blick auf die gemachten Erfahrungen bei früheren Situationen könnte es allerdings mit einem Angriff auf Eiris zu tun haben. Schon die Tatsache, daß MATERIA knapp vor dem Erfolg steht, macht deutlich, daß es hier um kosmisch Bedeutsames geht: Mit kosmokratischen Mitteln (!) wird gegen eine Superintelligenz vorgegangen, die eigentlich eher auf der Seite der Kosmokraten stehend eingeschätzt wurde. Wobei dies eine mit Vorsicht formulierte Angelegenheit sein müßte.
 
Das insgesamt eher ambivalente Verhalten und geheimnisvolle Gebaren von ES, nicht zuletzt mit Blick auf den »Dritten Weg« seiner »Schwester« ESTARTU, erschwert eine klare Beurteilung. Daß die Kosmokraten und ihre Beauftragten bei der Auswahl ihrer Mittel und Methoden im »Kampf für die Ordnung« keineswegs zimperlich sind, ist keine neue Erkenntnis: Die Manipulation der Materiequelle, unter anderem mit der Folge von Weltraumbeben, hat es bewiesen. Klar ist auch, daß »man« jenseits der Materiequellen Probleme hat, Dinge des Standarduniversums und vor allem seiner Bewohner korrekt einzuschätzen - was aber auf Gegenseitigkeit beruht. Unter Berücksichtigung des oben grob erstellten »Zeitrasters« sowie der Vermutung, daß die Brücke in die Unendlichkeit unter Umständen ein sehr viel älteres Artefakt sein könnte, dessen sich Thoregon »nur« bedingt, stellt sich die Frage, ob ES vielleicht die Rolle eines »Doppelagenten« eingenommen hat: Scheinbar auf der Seite der Kosmokraten stehend, tatsächlich jedoch Mitglied im Rat von Thoregon, wurden mit dem Konstituierenden Jahr quasi die Karten aufgedeckt. Wer letztlich den »Topf« einstreichen kann, darf mit Spannung verfolgt werden ...
 
Apropos 1974: Schon kurze Zeit nach der Erstaufführung ist der Film »The Exorcist« einer der größten Kinoerfolge in den USA; die Sowjetunion weist den Regimekritiker Alexander Solschenizyn aus; der Jazzmusiker Duke Ellington stirbt; Deutschland wird Fußballweltmeister; Muhammad Ali verteidigt in Kinshasa (Zaire) seinen Box-Schwergewichts-Weltmeistertitel gegen George Foreman


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