Die Gestalter


Kommentarnummer: 1087

Heftnummer: 1963

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

Gestalter    

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

1963

Weitere Teile:

            



Da ist es nun, das erste Thoregon-Volk: die »Gestalter« ! Viel wissen wir noch nicht über diese Wesen, und dieses wenige gibt zu reichlich Fragen und Spekulationen Anlaß. Wir erfahren, daß es sich um non-organische Geschöpfe handelt, die äußerlich an Asteroiden erinnern, rund 15.000 Sternenjahre alt werden und vor ewigen Zeiten aus einer Wesenheit hervorgingen, die die Namenlose oder die Vergessene genannt wird; überdies sind die Gestalter Parabegabte, die als Schwarm über beachtliche Distanzen teleportieren und per Seelenwanderung in andere Lebensformen schlüpfen und somit deren Gestalt annehmen können. Gestaltwechsel ? Deshalb also Gestalter? Es sieht so aus. Vor allem letztere Fähigkeit benutzen die Gestalter im positiven Sinne; sie sind Friedensstifter, und das war einer der Gründe, weshalb sie von der Koalition Thoregon angeworben wurden. Im Universum sind Wesen, die nicht auf einer organisch-biologischen Basis »beruhen«, so die Erfahrung der Terraner, eindeutig in der Minderheit. Aber man hatte schon mit solchen zu tun: Einmal sei an die auf PEW-Metall beruhende »Paradox-Intelligenz« des Parabio-Emotionalen Wandelstoffes erinnert, zum anderen war die Urform der Gys-Voolbeerah - auch als Molekular- oder Molekülumformer, die MV's, bekannt - eindeutig anorganischer Natur.
 
Da non-organische Wesen keinen Stoffwechsel und keine Sinnesorgane normaler Art besitzen, scheint bei ihnen die Ausprägung psionischer Fähigkeiten und Kräfte fast zwangsläufig zu sein, Dinge also, die mit dem Geist, der Seele, dem Bewußtsein ohnehin verbunden sind, aber nicht bei allen Lebewesen über das latente Vorhandensein hinaus aktiv genutzt werden können. »Psi« wird, wie wir wissen, dem ultrahochfrequenten Bereich des hyperenergetischen Spektrums zugeordnet, wobei von psionisch, mental oder paranormal meist im Zusammenhang mit Lebensformen gesprochen wird, während paramechanisch eine künstliche/technische Umsetzung umschreibt. Im Zusammenhang mit diesen Kräften ist paranormal (»neben dem Normalen«) eine weitgehend wertfreie Formulierung, und bezüglich der »Seelenwanderung« der Gestalter dürfte der Begriff transpersonal (»über die Person hinaus(gehend)«) die gleiche Bedingung erfüllen. Denn auch in dieser Hinsicht sind die Gestalter kein Präzedenzfall: Ernst Ellert war als Parapoler in der Lage, sein Bewußtsein wandern zu lassen, die Individualumformer (IVs) konnten ihren Individualkörper verlassen und das eigene Bewußtsein gegen das anderer austauschen (die Opfer waren für diese Zeit im IV-Leib gefangen und zur Handlungsunfähigkeit verdammt), und die Cappins schließlich waren als Pedotransferer ebenfalls zur Übernahme von anderen Wesen fähig. Sieht man von Unterschieden in den Details ab, ist das Grundprinzip das gleiche.
 
Bei den Gestaltern ist die Übernahme von Fremdwesen entweder vom Schwarm und dem Asteroidenkörper aus möglich - dann spielen Entfernungen offensichtlich keine Rolle - oder es bedarf des Körperkontakts, um »weiterspringen« zu können> Weil die auf andere Lebewesen übergegangenen Gestalter als Friedensstifter aktiv werden, fällt es den Piloten der Virtuellen Schiffe nicht sonderlich schwer, die Spur aufzunehmen und den Kontakt herzustellen - obwohl es zunächst eher nach einer Sisyphusarbeit aussieht, Einzelgeschöpfe in einer ganzen Galaxis zu finden. Durch ihren Informationsaustausch beim Treffen in Karakhoum wissen die VIRTUA-Piloten, daß die Gestalter jene geheimnisvollen K-Faktoren sind, die in die Bassins aufgenommen werden müssen. K - wie »kosmisch«! Banal, trivial? Mag sein. Seelenwanderung und Friedensstiftung jedenfalls machten die Gestalter zu Ausgewählten, und was es mit dem »entscheidenden Beitrag zur Entstehung und Erhaltung des PULSES« im Einzelnen auf sich hat, muß sich erst in DaGlausch herausstellen ... Ein ganz beachtliches Para-Potential scheint nun mit jenem jungen Gestalter verbunden zu sein, der zunächst den Namen Aba Ossaq erhielt - »Licht der Sterne«. Schon seine Entstehung und Geburt verlief unter denkwürdigen Umständen: Juhrn Anha prallte auf der Reise zur Galaxis Karakhoum mit etwas zusammen, das ihm als völlig fremde Geistesmacht erschien, verbunden mit dem Eindruck des Bösen, und diese Begegnung leitete die Teilung ein - im für einen Gestalter viel zu jungen Alter.
 
Berücksichtigen wir die weitere Entwicklung von Aba Ossaq, stellt sich die Frage, ob wir es hier mit einem Zufall zu tun hatten oder der »Zusammenprall« nicht vielmehr ein planvoller Anschlag gewesen war, somit durchaus einer - auf organische Lebensformen übertragen - Vergewaltigung vergleichbar! Die Antwort steht ebenso aus wie jene, ob Jorim Azaos Handeln die Entwicklung des »Lichts der Sterne« nicht maßgeblich zum Negativen hin beeinflußt hat. Gabrel Gurh jedenfalls gibt seinem »Ziehsohn« zunächst den Namen Sha Bassa, »im Dunkel der Sterne«, und schließlich verflucht er ihn sogar, nennt ihn hierbei wegen seines Machtstrebens »den Schatten über den Sternen« - Shabazza! Das ist ein Augenblick zum innehalten: Haben wir es wirklich mit jenem unbekannten Gegner der Koalition Thoregon zu tun? Jener, der soviel Leid und Terror über mehrere Galaxien gebracht hat - ein Gestalter? Jorim Azao weist Alaskas Überlegung empört zurück. Ein Gestalter tötet nicht ... Es bleibt aber die Tatsache, daß der Schwarm statt 320 Mitgliedern nur noch 319 aufweist, und das fehlenden Mitglied ist - Sha Bassa alias Shabazza !  
 
Apropos 1963:
Deutsche Erstaufführung des mit sieben Oscars ausgezeichneten Spielfims »Lawrence von Arabien«; Gordon Cooper umkreist mit der FAITH II 22mal die Erde; Papst Johannes XXIII. stirbt; US-Präsident John F. Kennedy besucht Berlin - und wird wenige Monate später ermordet; beim »Wunder von Lengede« werden am 7. November die letzten elf überlebenden Bergarbeiter des Grubenunglücks vom 24. Oktober gerettet


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