Machtschacher


Kommentarnummer: 1109

Heftnummer: 1985

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

   

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

Weitere Teile:

            



In der bekannten Galaxis haben wir es im ausgehenden 13. Jahrhundert NGZ mit drei Großmächten zu tun, die im wesentlichen die galaktische Politik bestimmen. Es sind die Liga Freier Terraner, das Forum Raglund sowie das Kristallimperium. Die vielen Mittel- und Kleinmächte spielen vor diesem Hintergrund eine untergeordnete Rolle, obwohl sie, würden sie zu einer geeinten Allianz zusammenfinden, mit ihren Hunderten oder gar Tausenden Mitgliedern ein mehr als gewichtiges Wörtchen mitreden könnten. Der Versuch, dieses durch das Forum Raglund in die Wege zu leiten, muß eher als gescheitert betrachtet werden, seit die drei Führungspersönlichkeiten ausschließlich aus Blues bestehen und die Akonen und Báalols bemerkenswerte Zurückhaltung an den Tag legen. Ob die vielen Blues-Nationen untereinander Einigkeit erzielen können und damit eine das>Forum Raglund ersetzende wirkliche Großmacht in der galaktischen Eastside bilden, muß die Zukunft erweisen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein; Tatsache ist, daß Zehntausende Welten ausschließlich von Jülziish besiedelt sind - ein nicht zu unterschätzender Faktor.
 
Die LFT mit ihren 711 Systemen sowie den dazugehörenden assoziierten Systemen ist nicht zuletzt dank des hohen technologischen Niveaus und der damit verbundenen Wirtschaftskraft eine Großmacht von weitreichendem Einfluß, der sich vor allem auf die mehr als 5000 seinerzeit von Menschen primär und in den Jahrhunderten nach dem Dolan-Krieg auch sekundär besiedelten Welten erstreckt. Als Flotte direkter Kampf- und Wachschiffe gelten 16.000 Einheiten; die Planetenregierungen verfügen insgesamt noch mal über rund 90.000 bewaffnete Raumer. Schließlich das Kristallimperium: Rund 10.000 Welten des früheren Tai Ark'Tussan werden ihm zugerechnet; ein wachsender Einfluß auf die 40.000 übrigen Planeten, die im Laufe der Geschichte von den Arkoniden und ihren zwei- bis fünftausend Abkömmlings-Völkern besiedelt wurden, steht außer Zweifel. Und die Ereignisse auf Arkon I rings um die Galaktikum-Tagung in Mirkandol am 15. Januar 1291 NGZ belegten, daß die Arkoniden beachtlich aufgerüstet haben, zweifellos als Konsequenz der Geschehnisse um Tolkander und Goedda: Allein die Heimatflotte im Arkonsystem wird inzwischen mit 100.000 Einheiten angegeben! Über wie viele Raumer Seine Erhabenheit insgesamt verfügt, ist schwer abzuschätzen - das Zwei- oder Dreifache dürfte aber problemlos dabei herauskommen ... Und es ist gerade Bostich I., dessen Auftritt Perry Rhodan einige Gedanken macht. Bislang galt der Mann als Galionsfigur unbekannter Hintermänner.
 
Davon ist bei der Begegnung in der »fliegenden Residenz« THEK-LAKTRAN jedoch absolut nichts mehr zu bemerken. Bostich hat sich, wie es scheint, »freigeschwommen« - an die damit verbundene »Säuberungswelle« denkt man besser nicht ... Das Ziel des Imperators ist eindeutig; es will Macht und Einfluß des Kristallimperiums stärken, Glanz und Glorie des alten Großen Imperiums sollen zweifellos wiederhergestellt werden. Und hierbei ist Seiner Erhabenheit Camelot ein Dorn im Auge. Als Machtfaktor war das Projekt der Unsterblichen, bei allem technologischen »Vorsprung«, der zum Bau der GILGAMESCH führte, zu keiner Zeit wirklich relevant. Selbst die von Homer G. Adams geleitete und zur Kosmischen Hanse in Konkurrenz getretene Organisation Taxit konnte unter dem Strich nicht als wirkliche wirtschaftliche Bedrohung angesehen werden. Camelot aber war für Jahrzehnte ein Symbol, eine mystifizierte Legende, die für den Außenstehenden alles und nichts bedeutete, in die jedoch Wünsche und Hoffnungen projiziert wurden - und darin sieht Bostich vor allem die »Bedrohung«. Für einen machtbewußten Realpolitiker, als der er sich nun erweist, kann es kaum etwas Schlimmeres geben als ein überhöhtes Signal, das selbst nur schwer, wenn überhaupt zu greifen ist.
 
Inwieweit die Entscheidung Rhodans, Camelots Position bekanntzugeben, ein gravierender Fehler war, muß sich noch erweisen. Bostichs Machtschacher jedenfalls läßt nichts Gutes ahnen, denn Camelot wird weiter geschwächt, ja, zur Bedeutungslosigkeit herabgewürdigt - nicht zuletzt durch die vereinbarte Positionierung der GILGAMESCH über Mirkandol. Daß der Imperator im Gegenzug Unterstützung im Kampf gegen MATERIA verspricht, kann da eigentlich nur ein schwacher Trost sein. Andererseits sollte nicht vergessen werden, daß Rhodan natürlich kein »Newcomer« auf dem galaktopolitischen Parkett ist, sondern auf seine lange Erfahrung als Großadministrator des Solaren Imperiums zurückblicken kann. Seine strategischen Überlegungen sind vor diesem Hintergrund naturgemäß viel längerfristig ausgelegt. Er ist der Sechste Bote, und mit dieser Rolle und Funktion vereinbart sich ein isoliertes, von allen mißtrauisch bis skeptisch betrachtetes Projekt wie Camolet nicht sonderlich. Ziel muß die Bündelung aller Kräfte der gesamten Milchstraße sein, nicht nur die Terraner, sondern letztlich die Galaktiker insgesamt sind in Rhodans Augen das »sechste Thoregon-Mitglied«> Ob seine Strategie aufgeht, muß sich zeigen - zuerst steht nämlich der Kampf gegen MATERIA an, und hier einen Sieg davonzutragen wird schwer genug sein ...
 
Apropos 1985:
Nach dem Tod von Konstatin Tschernenko wird Michail Gorbatschow neuer Generalsekretär und beendet im Kreml die »Zeit der alten Männer«; im Brüsseler Heysel-Stadion kommt es zu einer Massenschlägerei - bei der Panik werden viele Besucher an einem Absperrgitter zu Tode gedrückt; Boris Becker gewinnt 17jährig als erster Deutscher das Tennisfinale von Wimbledon; es sterben: Marc Chagall, Axel Cäsar Springer und Heinrich Böll; nach dem Tod von Rock Hudson tritt die Aids-Gefahr ins Bewußtsein der Öffentlichkeit; Klaus von Klitzing erhält den Physiknobelpreis


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