Beobachtungsmöglichkeiten


Kommentarnummer: 1084

Heftnummer: 1960

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

   

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

Weitere Teile:

            



Raumschiffe sind höchst komplexe Objekte; das waren sie schon in den (»primitiven«) Gründungszeiten, als ein gewisser Major Rhodan mit der STARDUST zum Mond flog, und das gilt für die Raumer des 13. Jahrhunderts NGZ erst recht. Ganz zu schweigen von einem Koloß wie der SOL. Ohne computerisierte Beobachtungsmöglichkeiten - des umgebenden Alls ebenso wie der internen Vorgänge, die häufig nicht von den vielfältigen Steuer- und Regelmechanismen zu trennen sind - wären die Raumfahrer an Bord eines solches Schiffes im wahrsten Sinne des Wortes »ziemlich aufgeschmissen«. Wie sehr die Besatzung von korrekt arbeitenden Datenverarbeitungsanlagen abhängig ist, erleben Rhodan und die SOL-Besatzung, als sie ganz unerwartet im>Solsystem ins Standarduniversum zurückkehren. Zur externen Beobachtungsmöglichkeit zählen hierbei die konventionellen Sensoren ebenso wie die von übergeordneter Ortung und Tastung einschließlich des Hypertakt-Orters, der beim Einsatz des Hypertakt-Triebwerks erforderlich wird. Konventionelle Sensoren umspannen unter anderem das gesamte elektromagnetische Spektrum; durch geeignete »Antennen« kann also Mikrowellenstrahlung in gleicher Weise aufgefangen und einer Analyse zugeführt werden wie der Bereich des sichtbaren Lichts, der UV-Strahlung und die Frequenzen bis hinauf in den Röntgen- und Gammabereich. Schon diese Bandbreite zeigt, daß optische Normalbeobachtung ziemlich aussagearm ist, nimmt sie doch nur einen winzigen Abschnitt des Spektrums ein.
 
Wer durch die geringe Anzahl von Luken blickt, sieht nicht viel ohne Vergrößerung und Computer-Aufbereitung, vor allem, wenn man Hochbeschleunigungsmanöver, Dilatationseffekte und dergleichen Beeinträchtigungen einbezieht. Das, was vereinfachend Panoramagalerie einer Zentrale genannt wird, ist eine hochgradige Computersimulation, in die die vielen externen Einzeldaten einfließen und je nach Anforderung in für die Besatzung ansprechender Form projiziert werden. Hierbei finden dann naturgemäß auch jene Parameter Eingang, die die übergeordneten Sensoren liefern. (Passiv-)Ortung umschreibt den puren Empfang der von externen Objekten ausgehenden Emission hyperphysikalischer Art (beispielsweise Streustrahlungen von Triebwerken, Hyperstrahlung von Sonnen und so weiter) und kann durch Vergleich mit den immensen Speicherwerten der Datenbanken blitzschnell dem jeweiligen Verursacher zugeordnet werden. (Aktiv-)Ortung oder Tastung gleicht im Gegensatz dazu dem konventionellen RADAR, das heißt, es wird ein mehr oder weniger eng gebündeltes Paket multifrequenter Hyperstrahlung aktiv ausgesandt, um aus den von den externen Objekten reflektierten Impulsen auf das entsprechende Objekt und seine Eigenschaften Rückschlüsse ziehen zu können.
 
Entsprechend den unterschiedlichen Teilbereichen wird - ebenfalls vereinfachend - von Struktur-, Kontur-, Masse- und Energieortung gesprochen, und die jeweiligen Ergebnisse in der Panoramagalerie oder auf Detaildisplays in Gestalt von »Reliefs« einschließlich den zusätzlich eingeblendeten Erläuterungen dargestellt. Der Hypertakt-Orter schließlich - auch als Zwischentakt- oder Intervallorter umschrieben - ist keineswegs eine völlig neue Entwicklung. Ganz im Gegenteil: Er basiert auf oben genannten vertrauten Ortungs-/Tastungsgrundsätzen. Seine Besonderheit ist »nur«, daß er die Intervallbereiche ausnutzt, die mit dem 1230-Hertz-Takt verbunden sind und zum »Teilweise-Eintauchen« in den Normalraum führen, den »weichen Transitionen« des Hypertakt-Triebwerks. Es handelt sich also in erster Linie um eine exakte Synchronisation mit der gepulsten Grigoroff-Blase, die durchstoßen wird und pro Sekunde 1230 »Orterbilder« ermöglicht. Hierbei umfaßt der Passiv-Orter einen hyperphysikalisch erfaßbaren kugelförmigen Wirkungsbereich von 20 Lichtjahren Durchmesser, während die Tastung einen Kegel von 50 Lichtjahren Länge in Flugrichtung umspannt, und in Maximaldistanz auf einen Durchmesser von ebenfalls 20 Lichtjahren auffächert. Peinlich für die Besatzung wird es nur, wenn die Daten - aus welchen Gründen auch immer - nicht korrekt auf die Instrumente, Displays und die Panoramagalerie übertragen werden ... Zu der externen Beobachtungsmöglichkeit kommt nun noch die interne hinzu.
 
Sie umfaßt einmal sämtliche Steuer- und Regelkreise in vielfach redundanter Vernetzung, die von den Aggregaten der Lebenserhaltung bis zu denen der Triebwerke, Schutzschirme, Waffen und was es sonst alles gibt reichen. Zum anderen gibt es auf der SOL als eigentliches Kernstück das Beobachtungsnetzwerk des Zentralen Intern-Checks (ZIC), mit dem SENECA als oberste Computerinstanz unter anderem einen optischen Einblick in rund 80 bis 90 Prozent der Räumlichkeiten hat. Ausgenommen sind hierbei nur die Privatkabinen und gewisse »blinde Flecken«, die sich nicht vermeiden lassen, führt man sich die verschachtelte Struktur eines Raumschiffes wie die SOL vor Augen. Leider läßt sich dieses System, das im »Normalbetrieb« eine unerläßliche Hilfsfunktion darstellt - insbesondere bei Schäden und Notfällen -, auch zur Überwachung der Besatzung mißbrauchen ...  
 
Apropos 1960:
Baubeginn des Assuan-Staudamms; die TRIESTE von Professor Piccard erreicht im Marianengraben die Rekordtiefe von 10.916 Metern; die ZPG-3 W, mit 120 Metern Länge weltgrößtes Luftschiff, wird durch eine Sturmbö zerstört; der Spielfilm »La Dolce Vita« bekommt die Goldene Palme; den Physiknobelpreis erhält der Amerikaner Donald A. Glaser für die Erfindung der sogenannten Blasenkammer zum Nachweis kernphysikalischer Reaktionen bei Teilchenbeschleunigern


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