Die Aagenfelt-Barriere II


Kommentarnummer: 1132

Heftnummer: 2008

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

Aagenfelt-Barriere    

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

2003

Weitere Teile:

            



Sie ist unsichtbar, nicht zu fühlen, und ortungstechnisch gibt es bislang ebenfalls noch keine Möglichkeit, ihre Existenz nachzuweisen. Aber sie arbeitet, wie der erste Ernstfalleinsatz im System von Boscyks Stern gezeigt hat, im Rahmen ihres Wirkungsgrades höchst effizient - und das heißt auch, mit äußerster Brutalität. Daß sie im Kern vor allem auf einem Bluff basiert, deshalb höchste Geheimhaltungsstufe erforderlich macht und eine ganze Reihe von Schwachstellen aufweist, sind weitere Aspekte jenes Blockadesystems, das nach dem kürzlich umgekommenen Hyperphysiker benannt ist. Ihrer Funktion nach wird die Aagenfelt-Barriere von den LFT-Strategen als »semiaktive Defensivstruktur interplanetaren Ausmaßes« eingestuft. Im Gegensatz zur rein passiven Arbeitsweise eines ATG-Feldes, mit dem das zu schützende Objekt um einen gewissen Betrag in die Zukunft versetzt wird, oder einem>Paratronschirm, dessen Abstrahlungsfunktion erst beim Kontakt mit der Offensivwaffenwirkung zum Tragen kommt, kombiniert die Aagenfelt-Barriere ihre systemumspannende defensive Struktur zur Beeinflussung überlichtschneller Fortbewegung mit der gezielten Umlenkung des Angreifers in verminte Sektoren. Überdies sind die zunächst eingesetzten Blockadegeschwader mobil und können bei Bedarf rasch verlegt werden, was bei den im Bau befindlichen stationär-planetaren Festungs-Versionen nicht der Fall ist. Zwar wurde mit dem Krisenfall Blockade der Galaxis die Gefährlichkeit des unberechtigten Einfluges verkündet, dennoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich letztlich um ein brutales Kampfmittel handelt: Sie soll Angreifer, sofern diese sich nicht abschrecken lassen, schnell und in so großer Zahl »ausschalten«, daß der eigenen Seite möglichst wenige Verluste zugefügt werden können...
 
All diese Aspekte kommen im Gespräch zwischen dem Residenten Perry Rhodan und dem Ersten Terraner Maurenzi Curtiz zum Ausdruck. Daß Letzterer auf die katastrophalen Nebeneffekte hinweist, ist mehr als verständlich, wirkt sich die Isolation durch ökonomisch verheerend aus. Um den Bluff aufrechterhalten zu können, muß Rhodan zunächst die Forderung ablehnen, den Handelsraumern den Sublichtein- und -ausflug zu gestatten - erst als der optimale Wirkungsgrad erreicht ist, kann zur zweiten Stufe der Täuschung übergegangen werden, sprich die angebliche Öffnung von »Korridoren« für den Sublichtflug. Daß diese eigentlich gar nicht notwendig sind, unterliegt ebenso der strikten Geheimhaltung wie die übrigen »Nebenfunktionen«, die uns nun nach und nach vorgestellt werden, deren Vorhandensein wir jedoch schon vermutet haben. Erinnern wir uns: Für jede Art überlichtschneller Fortbewegung gilt die dreifache Unterteilung des Prozesses und der damit verbundenen Wirkungskomponenten; erstens ein Mechanismus, der den Eintritt in den Hyperraum bewirkt; zweitens ein schützendes Hüllfeld, das dem zu transportierenden Objekt für die Dauer des Hyperraum-Aufenthaltes ein eigenständiges Mikrokontinuum zuweist; drittens eine Automatik oder Vorrichtung, die am Zielpunkt die Rückkehr ins Standarduniversum herbeiführt.
 
Genau darauf wirkt die Aagenfelt-Barriere ein. Die superstarken Energieerzeuger der WÄCHTER-Schiffe stellen umgerechnet 2,4 mal zehn-hoch-neunzehn Watt bereit. In fünf Aagenfelt-Konvertern wird diese Energie in ihr hochfrequentes fünfdimensionales Äquivalent umgewandelt. Sogenannte Transdim-Modulatoren konzentrieren dieses mit einem Wirkungsgrad von 66 Prozent auf die geforderten Hyperfrequenzbereiche. Drei Frequenzmaxima, die in Wechselwirkung mit den schützenden Hüllfeldern eines Überlicht-Triebwerks treten, lassen sich hierbei unterscheiden: Bei 41.000 bis 42.000 Kalup wirkt die Barriere auf Lineartriebwerke ein; bei 6,85 mal zehn-hoch-zwölf Kalup auf Transitions-Aggregate, und im Bereich um 5,3 mal zehn-hoch-dreizehn Kalup auf die Grigoroff-Schichten von Metagrav-Anlagen. Von der Virtuellen Antenne der WÄCHTER-Raumer wird hierzu in einer komplizierten Feldprojektion die Hyperemission zu einer n-dimensionalen Überlagerungs-Matrix verwoben und im Hyperraum stabilisiert - quasi ein Ballon, der einfliegende Raumschiffe abrupt auf Null abbremst und überdies gezielt in die bereitgestellten Minengürtel umlenkt.
 
Weil von dieser Wirkung normalerweise auch die eigenen Raumer betroffen wären und diese somit ihre Überlicht-Beweglichkeit verlieren würden, mußte ein »Hintertürchen« geschaffen werden - und hierbei kommen die sogenannten Tot-Frequenzen ins Spiel. Der bei 5,3 mal zehn-hoch-dreizehn Kalup liegende Bereich besitzt nämlich eine gewisse Bandbreite, in der Grigoroff-Schichten betrieben werden können; grob gesagt reicht er von etwa 4 bis 6 mal zehn-hoch-dreizehn Kalup, aus dem die eigentliche Grigoroff-Schicht als Peak von nur wenigen zehntausend Kalup hervorsticht. Wird nun im genau abgestimmten Spektralabschnitt, in dem die Metagrav-Triebwerke der LFT gewöhnlich arbeiten, eine »Lücke« in die Aagenfelt-Barriere geschaltet, sprich keine Interferenz mit der Grigoroff-Schicht hervorgerufen, bleibt auch der Überlichtflug unbeeinflußt. Selbstverständlich ist davon auszugehen, daß alles, was mit der Aagenfelt-Barriere zu tun hat, bevorzugtes Ziel der kristallimperialistischen Spionage ist, und über kurz oder lang werden die festgelegten Tot-Frequenzen ebenso aufgedeckt werden wie der Bluff an sich. Ist ersteres der Fall, kann Abenddämmerung befohlen werden, der Einsatz von Algorithmen, die einen steten, willkürlich erscheinenden Wechsel der Tot-Frequenzen in Synchronisierung mit den Metagrav-Triebwerken beschreiben. nd sollte letzteres der Fall sein, besteht immer noch der>Zeitvorteil gegenüber der vom Angreifer benötigten Dauer des Sublichteinflugs...


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