Rette sich wer kann ...?


Kommentarnummer: 1094

Heftnummer: 1970

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

   

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

Weitere Teile:

            



Unabhängig davon, welches Niveau eine Zivilisation erreicht - offensichtlich erweisen sich die »Kräfte der Natur« stets als stärker: mögen die Möglichkeiten noch so fortgeschritten sein, mit jeder überschrittenen Grenze, jedem scheinbaren »Beherrschen der Natur«, zeigt sich recht schnell, daß diese sich einem »Beherrschen« widersetzt. Planetengebundene Zivilisationen müssen gegen die Naturkräfte ihrer Welt ankämpfen: Sturmfluten, Orkane, Vulkanausbrüche, Beben. Pompeji ist nur ein Beispiel einer unabsehbaren Kette dafür, welche Kräfte toben können. Diese planetaren Gewalten werden »beherrschbar«, wenn die Mittel galaktischer Raumfahrt zur Verfügung stehen: Traktorstrahler, hypermechanische Schutzschirme und leistungsfähige Energieerzeugungssysteme vermitteln fortan eine trügerische Sicherheit. Zwar können planetare Katastrophen (weitgehend) unterbunden werden, Kraftfelder wirken tektonischen Spannungen entgegen, andere Systeme greifen ins chaotische Klimasystem ein und unterbinden zu große Extreme, doch das alles darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die nächste Stufe der Naturkräfte bereitsteht. Interstellare Zivilisationen haben mit Hyperstürmen zu tun, mit Novae und Supernovae, gierigen Molochen in Gestalt Schwarzer Löcher und was es der stellaren Phänomene mehr gibt. Sicher, ausreichend hohes technologisches und/oder paranormales Niveau kann sich sogar diesen Naturkräften entgegenstemmen, ihre Gewalt brechen, sie »beherrschbar« machen.
 
Planeten oder gar Sonnen werden schließlich bewegt und künstlich gruppiert - erinnern wir uns nur an Arkons Synchronwelten oder die Sonnentransmitter der Lemurer. Aber die nächste Steigerung steht schon bereit. Supermassive Black Holes in den zentralgalaktischen Regionen können zu bodenlosen Schlünden auswachsen, denen langfristig ganze Sterneninseln zum Opfer fallen. Andere Galaxien kollidieren unter wahrhaft katastrophalen Randbedingungen, und an das »Vernichtungspotential«, wenn eine Superintelligenz zur Materiequelle oder -senke wird, wollen wir gar nicht denken - immerhin wird hier die Masseenergie einer ganzen Mächtigkeitsballung von etlichen Galaxien zu einem »Super-Hole« verdichtet (das Wissen, daß die Bewußtseinsinhalte der hierbei untergehenden Zivilisationen offensichtlich in die neu entstehende Entität aufgehen, ist nur ein schwacher Trost ...). Aber selbst das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Vorgänge wie die Überlappung zweier Universen - im Fall der Druuf mit ihrem »Roten Universum« geschehen - oder das Dichtmachen eines Kosmonukleotids wie DORIFER mit Auswirkungen auf die Psikonstante und merkwürdigen »Ausbrüt-Prozessen fremdartiger Universen« von mehr oder weniger potentiellem Charakter zeigen weitere Stufen der Steigerung auf. In diese Kategorie Kosmischer Katastrophen dürfte letztlich wohl das Sterben ganzer Universen - siehe Tarkan - bei ihrem Endkollaps fallen …
 
Die »Natur« ist stärker - auch im Fall der Doppelgalaxis DaGlausch/Salmenghest: In der unzugänglichen Zone von etwa 5000 Lichtjahren Durchmesser, »Kessel« genannt, wird permanent hyperphysikalischer Überdruck produziert. Vordergründig ist das an sich nichts ungewöhnliches: Einander streifende, durchdringende oder miteinander kollidierende Sterneninseln rufen Prozesse hervor, die nicht allein auf konventionelle Wechselwirkungen beschränkt bleiben, sondern höhergeordneter Art sind. Die Erscheinung des »Schlunds« beim Mahlstrom der Sterne war eine solche Reaktion auf die schon zwei Milliarden zurückliegende Galaxienkollision. Im Falle des »Kessels« wird die vom Hyperraum abfließende Energie in Gestalt der Kesselbeben freigesetzt. Sind die bislang beobachteten Einzelbeben schon erschreckend genug, so wird das erwartete Superbeben unabsehbare Konsequenzen haben; Billionen Lebewesen droht binnen weniger Monate der Tod! Das sind Größenordnungen, bei denen sich unser Verstand mitzumachen weigert! Und das Schlimme ist: Dieser galaktische Massentod scheint zur Zeit weder abwendbar noch ist die Aussicht auf halbwegs praktikable Evakuierungsmaßnahmen gegeben.
 
Am Beispiel Alashans wird deutlich, was es heißt, »nur« 200.000 Leben retten zu wollen - denn diese Rettung kann nur Exodus in eine benachbarte Galaxis heißen. Wie aber sollte solches für Billionen möglich sein? Um eine galaktische Panik zu verhindern, halten die Bebenforscher zwar die fürchterliche Nachricht zurück, doch die Häufung von Kesselbeben wird über kurz oder lang sogar Nichtinformierte die richtigen Schlüsse ziehen lassen. Und dann? Flucht, mit allem, was nur irgend raumtauglich erscheint? Resignation? Hoffen auf ein Wunder? Wie auch immer Einzelne und ganze Völker reagieren mögen, an der Tatsache des bevorstehenden Superbebens an sich ist - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - nicht zu rütteln. Wenn man wenigstens die Prozesse des »Kessels« verstünde ... Aber halt: Könnte das ein Ansatzpunkt sein? Heißt es nicht, daß die Virtuellen Schiffe eine Mission in eben diesem, bisher noch nie von Raumschiffen erreichten Gebiet erfüllen sollen? Wurde den VIRTUA-Piloten nicht etwas von einem PULS erzählt, der für den Aufbau von Thoregon unabdingbar sein soll ...? Ist das der Strohhalm, an den man sich klammern könnte - oder ein schrecklicher Trugschluß ?
 
Apropos 1970:
Die Mondflug von APOLLO XIII wird fast zur Katastrophe, die Landefähre AQUARIUS dient zeitweise als Notkapsel; Paul McCartney gibt die endgültige Trennung der »Beatles« bekannt; der Spielfilm »M.A.S.H.« erhält in Cannes die Goldene Palme; Jochen Rindt verunglückt tödlich in Monza; Jimi Hendrix wird tot aufgefunden; Erich Maria Remarque stirbt


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