Paranormales


Kommentarnummer: 1090

Heftnummer: 1966

Erschienen: 01.01.1970

Betrifft die Begriffe:

   

   

Autor:

Rainer Castor

Erster Teil:

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Kräfte des Paranormalen sind gar nicht so selten, wie es auf den ersten Blick vielleicht aussieht. Vor allen Dingen sind sie keineswegs zwangsläufig Ausdruck einer wie auch immer gearteten »Mutation«, so daß die Aussage »Parabegabter gleich Mutant« ein etwas schiefes Bild erzeugt. Grundsätzlich handelt es sich beim Paranormalen zunächst einmal um Dinge, die zumindest latent jedem Bewußtsein zu eigen sind. Ob und inwieweit der einzelne sich dieser Kräfte und Fähigkeiten dann bewußt ist oder gar aktiv bedienen kann, steht in einem ganz anderen Speicherkristall. Schon die alten Arkoniden stießen bei der Expansion ihres Tai Ark'Tussan auf etliche Fremdvölker, bei denen Parakräfte eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Auch ihre eigene Erforschung des Paranormalen und Transpersonalen konnte, nicht zuletzt mit Blick auf Dagor und der damit verbundenen Philosophie, etliche Ergebnisse vorweisen, die über die bekannten Psychostrahler, Simultanspielprojektoren und Anlagen zur Extrasinnaktivierung hinausreichten. Der Paraphysiker Belzikaan bezeichnete die Paraforschung offiziell als »zwiespältige Wissenschaft«, um den Unterschied und die Trennung von den übrigen konventionellen und hyperphysikalischen Fakultäten zu markieren. Diese Erkenntnisse gehörten allerdings stets zur höchsten militärischen Sicherheits- und Geheimhaltungsstufe oder waren auf bestimmte Kreise beschränkt (Leute, die sich zum Meditieren in einsame Dagor-Abteien zurückziehen, sind von vornherein nicht die mitteilsamsten).
 
Nimmt man den Faktor hinzu, daß das Gros der Parabegabten bestenfalls über schwach ausgeprägte paranormal-transpersonale Kräfte verfügt, die dem Einzelnen mitunter nicht einmal bewußt sind, wird die weitere Schwierigkeit deutlich, die mit der Parawissenschaft insgesamt verknüpft ist. Auf Terra war man für einige Jahrhunderte in der glücklichen Lage, auf die stark Parabegabten des Mutantenkorps »zurückgreifen« zu können. Zum Bedauern der Parawissenschaftler erwies sich die Beschränkung auf natürliche Parakräfte als problematisch. Immerhin sind Lebewesen keine Maschinen, die jederzeit klar reproduzierbare Ergebnisse liefern können, sondern sie haben mal einen »schlechten Tag«, unterliegen wechselnden Stimmungen oder sind unkonzentriert. Überdies hatte man es im allgemeinen mit Praktikern zu tun, die zwar wußten, auf welche Weise sie diesen oder jenen Effekt hervorrufen konnten; doch wie es dann im Einzelnen funktionierte, blieb ihnen meist verschlossen. Daran konnte und wollte selbst ein Dreifachbegabter wie Gucky wenig ändern - nicht zuletzt, weil dem »Retter des Universums« die Rolle als Versuchskaninchen keineswegs behagte !
 
Der Versuch, auf paramechanische Weise natürliche Gaben zu simulieren, scheiterte fast durchweg vor allem daran, daß damals die künstliche Erzeugung ultrahochfrequenter Schwingungen des hyperenergetischen Spektrums zuwenig beherrscht wurde. Die Forschungsergebnisse blieben eher dürftig - bezogen auf daraus abgeleitete Anwendungen. Hinzu kam, daß nach den bekannten »Anfangserfolgen« des Mutantenkorps, verstärkt nach den Ereignissen der Second-Genesis-Krise, Abwehrmechanismen in Form von HÜ- und Paratronschirmen und daraus resultierenden Anti-Psi-Feldern zur Verfügung standen, die in der Folge die Paraforschung für lange Zeit eher zu einem Schattendasein verdammten: Paranormales generell zu blockieren oder zu unterbinden erwies sich eben als deutlich einfacher als Kontrolle und Beherrschung exakter Einzelwirkungen. Erst mit der weiteren Erforschung des UHF-Bereichs erhielt das Paranormale neue Impulse: Neben den vier Hyper-Äquivalenten konventioneller Fundamentalkräfte wurde »Psi« als weiterer Teilbereich erkannt, angesiedelt bei ultrahochfrequenten Hyperschwingungen von 86,57 Terakalup bis 4,3285 Petakalup (8,657 x 1013 bis 4,3285 x 1015 Kalup). Von diesem Hyperfrequenzband nehmen die »natürlichen Parakräfte« nur einen kleinen Abschnitt ein, der etwa bei einem Petakalup liegt, plus-minus einige hundert Megakalup. Starke Einzelfähigkeiten wie beispielsweise Telekinese stechen stets als klare Peaks hervor.
 
Der weitaus größere Rest des Psi-Bandes ist allerdings mit Effekten verbunden, deren genauen Wirkungsmechanismen weiterhin ziemlich unverstanden sind. In dieser Hinsicht steht die Parawissenschaft des 13.Jahrhunderts NGZ nicht viel besser da als die der alten Arkoniden. Die Erfahrungen mit den Kardec-Schilden der Porleyter, den Möglichkeiten der Cantaro, der Netzgänger oder der Arcoana sowie auch und nicht zuletzt mit den Phänomenen, die Superintelligenzen hervorzurufen vermögen, zeigen jedoch eindeutig, daß »Paranormales« beziehungsweise fortgeschrittene (Para-)Technik in diese Bereiche vorstoßen kann. Inwieweit der Kontakt mit den Gharrern die Erforschung des Paranormalen insgesamt befruchtet oder nicht, bleibt abzuwarten. Die Maahknachkommen sind mit ihren Kräften der Psi-Reflexion jedenfalls in der Lage, alle auf sie in Form von Emotionen und Parakräften einströmenden »Impulse« zu analysieren und sie in modifizierter Form zum Ausgangspunkt zu reflektieren. Daß nicht alle Gharrer so starke Psi-Reflektoren sind wie Mhogena, braucht nicht zu überraschen; eher das Gegenteil hätte verwundert.  
 
Apropos 1966:
Die Londoner »Times« beginnt mit dem Abdruck von Nachrichten statt dem von Kleinanzeigen auf der Titelseite; die US-Sonde SURVEYOR I landet weich auf dem Mond; mit GEMINI 12 wird das Gemini-Programm der USA beendet; ein Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr nicht verliehen; die Frage »Tor« oder »kein Tor« beim Spiel England-Deutschland bei der achten Fußballweltmeisterschaft führt sogar Jahrzehnte später noch zu lebhaften Diskussionen ...


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